Gemeinsame Sprache: Musik

Osnabrücker MondayMummCompany in den Newcomercharts

Woran denken Sie spontan, wenn Sie den Begriff „Newcomer-Band“ hören? An gecastete Teenie-Gruppen aus dem Privatfernsehen? An Schülerbands, die den Durchbruch von der Kellertruppe zum Festival-Headliner geschafft haben? Alles falsch! Nichts dergleichen trifft auf die MondayMummCompany zu. Die Mitglieder der Osnabrücker Band sind aus der Pubertät längst hinaus, machen seit vielen Jahrzehnten leidenschaftlich gern Musik und feiern trotzdem gerade einen ganz besonderen Erfolg: Einen Platz in den Top-Twenty der offiziellen deutschen Newcomercharts mit ihrem Song „Parfüm“. Ein Besuch im Proberaum.

Text und Fotos: Svenja Dierker / Schlossallee.com

 

Anfänge im Wohnzimmer

Es begann an einem Montagabend vor fünf Jahren, mit roten Lippen und einer Flasche Sekt. Auch wenn heute Dienstag ist: Ein Gläschen Prickelwasser gehört bei einem Portrait über die MondayMummCompany noch immer dazu! Wir stoßen im Wohnzimmer von Christina und Ralf Steins-Tiemann in der Osnabrücker Dodesheide an, in dessen Keller sich der aktuelle Proberaum der Band befindet. „2008 war es unser Wohnzimmer in Lotte, in dem wir gesessen haben“, erklärt Gründungsmitglied Günter Westermann, „und in dem wir uns überlegt haben: Wir machen alle so gerne Musik – gründen wir doch eine Band!“ „Alle“ waren damals Günter, Christina und Ralf. Besiegelt wurde die Idee mit einem Glas Sekt und dem ersten gemeinsam gespielten Song: „Rote Lippen soll man küssen“. Als MondayMummCompany & Friends traten die drei bereits sechs Wochen nach Bandgründung auf dem selbst organisierten Oktoberfest in Bissendorf auf – mit gerade mal fünf eingespielten Songs!  Auch die Proben waren anfangs recht spartanisch organisiert: „Wir haben zuerst in unserem Wohnzimmer geprobt, später dann in der Garage“, erinnert sich Günter Westermann. Allerdings befand diese sich zwischen Pastorenhaus und Friedhof – nicht der optimale Platz für Rocker und welche, die es einmal werden möchten. „Es hieß, die Toten könnten nicht mehr schlafen“, sagt Günter Westermann – und organisierte seinerzeit schnell einen neuen Proberaum.

Sechs Individualisten, eine Band

Wenn die Toten das heute mal nicht bereuen! Mittlerweile verstärken Bassist Marco Schumacher, Saxophonist Dietrich Beinecke und Pianistin Mayya Shaposhnik die Band und aus den stümperhaften ersten Gehversuchen ist feinste Unterhaltungsmusik mit den verschiedensten stilistischen Einschlägen geworden. „Wir sind sechs Individualisten mit sechs komplett unterschiedlichen Stilrichtungen“, sagt Günter Westermann. „Es ist manchmal gar nicht so einfach, alle Geschmäcker unter einen Hut zu bekommen!“ So kommt es durchaus vor, dass die Jazz-Fans kurz „eine Pause“ einlegen, wenn der Rest der Band einen Schlager nach dem anderen schmettert. „Wir haben mittlerweile eingesehen, dass dann auch Reden keinen Sinn mehr ergibt“, sagt Christina und grinst. „Bei der nächsten Probe ist alles wieder gut.“ Warum? Weil es eine Sache gibt, die die sechs Mitglieder über alle Genres hinweg zusammenhält: die absolute Leidenschaft für Musik. Und das Wissen, dass gerade die Unterschiede am Ende den ganz besonderen Reiz der Band ausmachen. Der Mix aus Amateuren und Profis, die verschiedenen Instrumente, die unterschiedlichen Werdegänge der einzelnen Bandmitglieder. Dass genau das beim Publikum ankommt, beweist der Zuspruch, den MondayMumm immer wieder bei Auftritten erfährt. Sei es auf eigenen „Feten“, zu denen sie bis zu zehnmal pro Jahr an ausgefallenen Orten einladen, oder während gebuchter Veranstaltungen. „Wir legen großen Wert darauf, sorgfältig auszuwählen, wo wir auftreten“, sagt Ralf, der neben dem Schwingen der Drumsticks auch für die gesamte Bandtechnik verantwortlich ist. „Schließlich ist es unser Hobby, einfach gute Musik zu machen, da brauchen wir nicht auf jeder Party zu tanzen!“

Amateure vers. Profis

„Einfach gute Musik“ – was genau das ist, ist dabei gar nicht so genau zu definieren. „Wir spielen jazzige Stücke, Schlager, Musik zum Dinner oder einem Glas Rotwein, und ebenso Rock und Pop zum Tanzen, Samba oder Soul“, erklärt Günter Westermann das große Repertoire der Band. Fürs Komponieren von Lyrics und Melodie ist bei MondayMumm vor allem Dietriche Beinecke zuständig. Er ist Jazzliebhaber durch und durch: „Während mancher unserer anderen Stücke setzt er sich einfach auf seinen Hocker, zieht die Augenbraue hoch und trinkt ein Weißbier“, plaudert Günter Westermann aus dem Nähkästchen. Mayya Shaposhnik und Marco Schumacher sind ebenfalls Profimusiker, Mayya als klassische Pianistin leitet die Kindermusikschule KidsClub4You mit einem Yamaha Musik Point, Marco war vor vielen Jahren Gründungsmitglied der bekannten Osnabrücker Band „Die angefahrenen Schulkinder“ und ist seitdem dem Musikbusiness treu geblieben. „Als ich Günter, Christina und Ralf das erste Mal in ihrer Garage spielen gehört habe, habe ich die Hände überm Kopf zusammengeschlagen“, erinnert er sich. „Jeder hat sein Instrument gespielt, von einer Band-Harmonie war allerdings nichts zu erahnen.“ Den Musiker packte der Ehrgeiz: „Ich habe in meiner Zeit bei den Schulkindern gelernt, anderen das Zusammenspielen beizubringen“, sagt er – und begann bei MondayMumm prompt damit. „Manchmal klingt Musik einfach besser, wenn jeder für sich etwas weniger macht“, findet er, und sein Plan ging voll auf! „An der einen oder anderen Stelle muss das Klangbild noch etwas runder werden – aber wir sind auf einem guten Weg“, findet Marco. Nicht nur er: Auch dem Publikum gefällt die Musik der MondayMummCompany. So gut sogar, dass der Song „Parfüm“ im Dezember auf Platz 17 der deutschen Newcomercharts zu finden war und sogar schon im Radio gespielt wurde!

Tonstudio im Proberaum

Auch die Familien der Bandmitglieder haben sich voll und ganz auf das Hobby ihrer Lieben eingestellt. Bei Günter Westermann etwa lag etwas „total Praktisches“ unter dem Weihnachtsbaum: eine Fußsteuerung, mit der man via Bluetooth die Setlist auf dem iPad weiterblättern kann. „So was brauchste heute“, erklärt der Gitarrist mit einem wissenden Blick und stört sich überhaupt nicht daran, dass die anderen sich das Lachen über diese technische Spielerei kaum verkneifen können. „Hier kann doch jeder machen, was er will – Hauptsache am Ende klingt es gut“, fügt er, breit grinsend, hinzu. Und das tut es! Im November haben die sechs Musiker ihre erste CD aufgenommen, mit eigenen Songs und einigen gecoverten Liedern, wie „Dream a Little Dream of Me“ , „Sunny“ oder „What a Difference a Day Made“. Der Proberaum im Keller von Christina und Ralf wurde dafür kurzerhand zum Tonstudio umfunktioniert. Die Single „Parfüm“ folgte nur wenige Wochen später. Der Erfolg ist sicher eine schöne Bestätigung für die sechs Musiker, das wichtigste ist und bliebt für sie jedoch etwas anderes: Der Spaß, den sie nach wie vor bei den gemeinsamen Bandproben haben. Die finden zwar mittlerweile dienstags statt – das Gläschen Sekt gehört aber natürlich noch immer dazu!

MondayMummCompany – die Bandmitglieder

  • Günter Westermann – Gitarre, Gesang.
    Der Gitarrist ist Pensionär und betreibt nebenbei seine Agentur „westermann arts and sports“. Er bezeichnet sich selbst als „alten 68er“, der musikalisch vor allem auf Rock und Pop setzt und leidenschaftlich gern singt.
  • Dietrich Beinecke – Saxophon, Klarinette, Text und Melodie.
    Dietrich Beinecke ist Jazz-Musiker durch und durch! Er ist vor allem für das Komponieren neuer Stücke verantwortlich, spielt Saxophon und Klarinette.
  • Christina Steins-Tiemann – Saxophon, Gesang.
    Die Saxophonistin hat ihre musikalischen Wurzeln in der Kirchenmusik. Im „wahren Leben“ ist sie kaufmännische Angestellte.
  • Ralf Steins-Tiemann – Schlagzeug.
    Ralf ist über das Cajón, eine aus Peru stammende Kistentrommel, ans Schlagzeugspielen gekommen. Mittlerweile kümmert sich der Schulassistent auch um die Bandtechnik auf Konzerten oder die CD-Aufnahmen der Songs.
  • Marco Schumacher – Bass.         
    Als Gründungsmitglied der „Angefahrenen Schulkinder“ weiß der Bassist, worauf es bei einer Band ankommt: auf das perfekte Zusammenspiel! Genau darum kümmert er sich bei MondayMumm, und sorgt mit seinem Bass außerdem für die richtigen Untertöne. „Eigentlich“ ist er übrigens Friseurmeister und betreibt einen eigenen Friseursalon in Osnabrück.
  • Mayya Shaposhnik – Keyboard.
    Die aus der Ukraine stammende Pianistin ist eigentlich in der klassischen Musik zu Hause – an das Keyboard musste sie sich erst gewöhnen! Mayya betreibt den „KidsClub4You“ in Osnabrück, eine professionelle Einrichtung für die frühkindliche Erziehung in den Bereichen Kunst, Musik und Bewegung.